Trailer Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht

Deutschland, Frankreich 2013

230 Minuten | FSK 6

 

Nimmt man die bisherigen Teile seines monumentalen Heimat-Projekts zusammen, ergibt sich eine Familien- und Zeitchronik des 20. Jahrhunderts – von der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, vom Wirtschaftswunder in die Aufbruchstimmung der 1968er Bewegung, vom Fall der Mauer ins wiedervereinigte Deutschland. Mit dem vierten Teil dieses gigantischen Projekts führt uns der mittlerweile 80-jährige Edgar Reitz nun in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück und wieder bilden der kleine fiktive Ort Schabbach im Hunsrück und die Familie Simon das Zentrum seiner Erzählung. Doch dieser abschließende Teil ist keine TV-Serie, sondern ein langer Kinofilm, eine Sensation, ein „magisches Kinokunstwerk“. Reitz hat die Chuzpe, sich alle Zeit zu nehmen, um vor den Augen des Zuschauers eine Welt wiederauferstehen zu lassen, um einen tieferen Einblick in das Leben, in die Stimmungen, Gefühle und den Alltag einer anderen Epoche zu geben. Keine Szene, keine Requisite ist digital entstanden, jedes kleinste Detail (bis auf die mit historischen Getreidesorten bepflanzten Felder oder die handgewebten Kleider seiner Protagonisten) ist echt. In DIE ANDERE HEIMAT wird nicht Vergangenes, Entschwundenes nachbebildert, sondern eine Zeit von innen heraus mit Leben gefüllt. Und dies macht jede der  230 Minuten dieses Werks sehenswert und höchst spannend. Fantastisch, ja überwältigend ist die Kraft der Bilder (Gernot Roll hat sich hier selbst übertroffen), berührend die reichen Geschichten, die erzählt werden.

Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts Hungersnöte, Armut und Willkürherrschaft die Menschen niederdrückten, sind Hunderttausende aus Europa ins ferne Südamerika ausgewandert, wobei im Hunsrück Brasilien besonders populär war.  Der junge Jakob lässt alle Grenzen, die einem Bauernsohn in dieser Zeit gesetzt sind, hinter sich. Er liest jedes Buch, dessen er habhaft werden kann, er studiert die Sprachen der Urwald-Indianer, er entwirft Pläne für die romantischsten Abenteuer in den Wäldern Brasiliens und beschreibt seinen ersehnten Aufbruch aus dem Hunsrück in einem bemerkenswerten Tagebuch. In den Strudel von Jakobs Träume werden alle gesogen, die ihm begegnen: Seine von Mühsal und Arbeit geplagten Eltern, sein kampfbereiter Bruder Gustav und vor allem das schöne Jettchen, die Tochter eines verarmten Edelsteinschleifers sowie ihre beste Freundin, das Florinchen, ein Engel voller Liebesverlangen. Die Rückkehr Gustavs aus dem preußischen Militärdienst gibt den Anstoß für Ereignisse, die die Liebe zwischen Jakob und Jettchen jäh erschüttern und Jakobs Leben in eine völlig unerwartete Richtung lenken ...

R: Edgar Reitz | B: Edgar Reitz & Gert Heidenreich | K: Gernot Roll | D: Jan Schneider (Jakob), Antonia Bill (Jettchen), Maximilian Scheidt (Gustav), Marita Breuer (Margarethe), Rüdiger Kriese (Johann), Philine Lembeck (Florinchen), Melanie Fouché (Lena)