Trailer Philip Seymour Hoffman in: Capote

USA 2005

114 Minuten | FSK 12

 

„Es gibt nur den one and only Truman Capote“, lobte das

Original sich selbst. „Es gab niemanden wie mich vor mir, und es wird niemanden

wie mich geben, wenn ich einst dahingegangen bin.“ Nun, die Fälschung namens > PHILIP SEYMOUR HOFFMAN müsste selbst

Truman Capote gefallen. Hoffmann, Golden-Globe und Oscar-Gewinner und heute vor

einem Jahr mit nur 46 Jahren verstorben, trug zur Not jeden Film alleine, aber

Bennett Miller stellte ihm in seiner fantastischen Filmbiografie ein

großartiges, konzentriert und präzise spielendes Ensemble zur Seite. Unaufgeregt

und stilsicher wie Capotes bahnbrechendes Werk selbst erweist sich Millers

Film, ein Dokument des Respekts: für den Schriftsteller und Egomanen Capote und

dessen Werk, für seinen Hauptdarsteller und dessen Spielfreude. Aber auch und

zu jeder Zeit für die Toten, die Ausgangspunkt und Zentrum der Geschichte

bilden.

 

Truman Capote, gehätschelter Wunderjunge des

Literaturbetriebs und oberster New Yorker Cocktailpartylöwe seit er mit seinem

Drehbuch für FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY

einen Riesenerfolg landen konnte, ist 35, als er sich an sein größtes

literarisches Projekt macht. „Kaltblütig“, der Rechercheroman um den Mord an

einer vierköpfigen Farmerfamilie 1959 in Kansas, soll als erster „non-fiction

novel“ ein neues Genre in der Literaturgeschichte begründen. Capotes Prinzip:

nichts erfinden, sondern Dokumente, Zeugenaussagen und Tätergespräche zu einem

Roman kompilieren, der nichts als Wirklichkeit enthält. Aber die Wirklichkeit

ist eine gefährliche Droge: Sie liefert ihr Material nicht prompt nach dem

jeweiligen Bedarf der Widerspiegelungsindustrie. So hängt Capote, der nach dem

Mord an der Familie ganze sechs Jahre auf die Hinrichtung der beiden Täter

Perry Smith und Dick Hickock warten muss, bald an der Nadel der Ereignisse. Zu

lange für einen eitlen Erfolgsmenschen. Die „Goldmine“, als die Capote seinen

Fall erst betrachtete, erweist sich mehr und mehr als Teufelszeug, das seinen

(Ab-)Schöpfer kreativ und moralisch aushöhlt.

 

R: Bennett Miller | B: Dan Futterman nach der

Biografie „Capote“ von Gerald Clarke | K: Adam Kimmel | D: Philip Seymour

Hoffman (Truman Capote), Catherine Keener (Nelle Harper Lee), Clifton Collins

Jr. (Perry Smith), Chris

Cooper (Alvin Dewey)